Punkrock aus Deutschland: Ein Überblick

Ohne Zweifel ist dieses Genre sehr erfolgreich und naturgemäß singen deutsche Punkmusiker auch in der Landessprache, greifen gesellschaftlich relevant, ja sogar politische Themen auf und das hat zu reiner vergleichsweise reichhaltigen, bunten Musikkultur in diesem Bereich geführt. Es gibt natürlich die bekannte Troika, die heilige Trinität des deutschen Punk, über die wir hier gleich genauer handeln werden Doch auch in den Clubs selbst, in den dunklen und lauten Underground Bars zwischen Berlin und Mannheim rockt das Haus und längst nicht alle Bands sind bekannt und kommerziell erfolgreich. Wer sich also ein Bild machen will über die Szene, der sollte immer auch mal ein Konzert besuchen Pogo tanzen und dann zeigt sich auch schnell, ob diese oder jene Rockband es mit den ganz Großen im Lande aufnehmen könnte.

Ärzte, Prinzen, Tote Hosen

Seit den 80er Jahren schon sind die Ärzte um Farin Urlaub und Bela B. enorm bekannt, erfolgreich und manche Musikbeobachter sprechen ihnen sogar als Punks eine gewisse Erziehungsfunktion zu. Wie geht das für typische Rebellen zusammen? Vor allem das Engagement gegen vorgebliche Nazis im Lande haben die Ärzte ein recht unkompliziertes Feindbild, das sich auch kommerziell prima reiten lässt und oft genug macht man daraus einen überall gespielten Song wie beispielsweise „Schrei nach Liebe.“ Aber die Ärzte sind immer auch ironisch, ja zynisch wenn nötig, bleiben Punks ohne Konventionen, ganz im Gegenteil zum Beispiel zu den Toten Hosen! Die sind mittlerweile genauso kommerziell wie Justin Bieber, nur eben in Deutschland und füllen Stadien mit ziemlich banalen Songs vom Jägermeister Schnaps oder von der Ablehnung des FC Bayern München! Punk ist hierbei nur doch die Maske, eine Scharade, die sich politisch gelegentlich ereifert, faktisch jedoch lediglich Musik für die Masse macht und das wohl in erster Linie, um als Tote Hosen viel Geld zu verdienen.

Ein Sonderfall sind sicher die Prinzen, die seit den frühen 90er Jahren vielen Deutschen als Rockband, als Popmusiker und eben auch als Punks bekannt sind. Das Besondere ist hier der Stil selbst, singen die Prinzen doch a Capella, oft also ohne Hintergrundmusik, aber eben vielstimmig und die Texte sind dann durchaus punkig, rebellisch, aber oft auch sarkastisch und treffend. Aus diesem Grund ist es ihnen wohl auch ganz gut gelungen, Kommerz und eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren und auch die vielfach triefende Ironie kommt bei den Leuten gut an.

Rebellen und Skandale

Der Blick in die zweite Reihe, was jetzt nicht ästhetisch abwertend gemeint ist, zeigt ebenso herausragende Punk Bands, die mit den Einstürzenden Neubauten oder den Goldenen Zitronen bewusst auf Underground, auf politische Statements setzen oder sich eben nur mit diesem Genre berühren. Wir können hier nicht die Frage nach dem Sinnkreis der Punkmusik stellen und klären, aber wer sich noch an Ton Steine Scherben mit dem omnipotenten Rio Reiser erinnert, der weiß um diese spezielle Herausforderung an den Punk, Kunst und Stil und Verkaufszahlen miteinander zu vermitteln. Fast könnte man hier deshalb auch Spaßrocker wie Extrabreit oder Geier Sturzflug dazuzählen, was zwar kategorisch einen anderen Stil mit der Neuen Deutschen Welle bediente, doch im Kern ist das durchaus auch Punk, ein sarkastisches Statement, das nur beim ersten Hören als komischer Klamauk wirkt.