Das Phänomen Böhse Onkelz

Unter allen deutschen Rockbands gibt es eine kommerzielle Besonderheit: Seit 1980 und vor allem seit den späteren 90er Jahren sind die Böhsen Onkels extrem erfolgreich, aber eben auch sehr kontrovers und das liegt an Texten, Außendarstellung und vor allem an der Vergangenheit. Im Grunde genommen sang die Band lange Jahre immer nur gegen die eigenen Anfänge an, doch mit der Zeit wurden sie schließlich allein durch die Fans, durch die Veranstalter und am Ende auch durch die Medien als wichtiger Bestandteil der deutschen Rockszene akzeptiert. Volle Stadien, Goldene und Platin – Schallplatten, das ist immer noch der beste Ausweis von echtem Erfolg und selbst international konnten die oft einfach nur Onkelz genannten immer wieder für Furore sorgen.

Rechtsrock in Deutschland

Prinzipiell ist das Thema nicht sonderlich bekannt, es gibt ein paar Dokus, aber die Szene selbst ist verschlossen und das liegt im Wesentlichen am politischen Druck. Während links gegen den Staat gehetzt werden darf und auch in Moscheen, wird jeder scheinbar rechtslastige Song sofort verboten oder zumindest beobachtet von den Staatsspitzeln, was es für nationale Musiker in Deutschland sehr schwierig macht. Das ist keine Stellungnahme, sondern lediglich ein Vergleich, natürlich geht diese Sensibilität auf die jüngere deutsche Historie zurück und die Böhsen Onkelz wussten mit Sicherheit, worauf sie sich bei ihren ersten Aufnahmen einließ. Vor allem das Album „Der nette Mann“ und Songs wie „Frankreichüberfall“ zementierten das Image der Band als Nazirocker und es dauerte lange Zeit, bis man hier schlussendlich einen Wechsel in der Außendarstellung hinbekam.

„Nach Mexiko, auch ohne Geld“

Die Ablösung vom Rechtsrock ist den Onkelz leichtgefallen oder auch nicht, aber es folgten Alben und Musik, die sich vor allem um den Exzess, um Alkohol, Drogen drehten, die von Verzweiflung, Wut und wilden Parties handeln, was offenbar bei den Fans einen Nerv trifft. Songs wie Mexiko werden noch heute, mehr als 30 Jahren nach der Entstehung, in den deutschen Fußballstadien gegrölt, während „Nur die Besten sterben jung“ oder „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“ fast schon Eingang gefunden haben in den grundsätzlichen Musikschatz, den sich gerade junge Leute gerne zulegen. Die Vergangenheit jedenfalls scheint längst vergessen und wen stört diese vor langer Zeit durchlaufene Phase auch noch, wenn die Böhsen Onkelz bei ihren großen Konzerten vor hunderttausenden Leuten ihre Songs zum Besten geben?

Stadiontourneen und ein Sänger, dem Wahnsinn nah

Wie kaum eine andere Band in Deutschland nämlich schafften es die Böhsen Onkelz, viele Stadien zu füllen und Millionen Fans zu den Konzerten und Tourneen zu locken. Dabei blieb immer ein Stück Rock Anarchie erhalten, auch wenn ein Auftritt wie das berühmte „Live in Vienna 1992“ wohl immer noch das beste Live Album geblieben ist. Auch diese Rockstars sind eben vor dem Kommerz nicht sicher und manches Konzert, live und mit großem Popanz selbst im Fernsehen übertragen, wirkte wie eine glattgeleckte Version der Band und hat nicht wirklich etwas mit der ursprünglichen Expression zu tun. Aber wer will es den Onkelz verdenken, wenn diese nach jahrelanger Diffamierung auch mal Kasse machen möchten? Probleme macht lediglich Sänger Kevin Russell, der erst kürzlich besoffen und auf Droge einen schweren Unfall baute, vom Tatort floh und häufig mit Knast, Suff und sogar Heroin für Schlagzeilen sorgt. Ob das auf Dauer gut gehen kann, auch wenn sich die Band mittlerweile aufgelöst hat?